Friedensdienst braucht Fachkräfte mit viel Engagement

5 Jahre als Friedensfachkraft in Bolivien – Vortrag von Ursula Treffer am 29.3.2014 in Obernbreit. Veranstaltet wurde der Abend vom Forum Ziviler Friedensdienst und dem Träger- und Förderverein ehemalige Synagoge Obernbreit e.V. Lesen Sie hier den Bericht.

Gaskrieg – Wasserkrieg – Kampf für eine neue Verfassung – das alles geschah vor kurzem in einem Land, in dem seit 1935 Frieden herrscht. Friede freilich nur, wenn Friede ausschließlich als Abwesenheit internationaler, bewaffneter Auseinandersetzungen definiert wird.

Forum Ziviler Friedensdienst und der Träger- und Förderverein ehemalige Synagoge Obernbreit e. V. hatten die Friedensfachkraft Ursula Treffer zu einem Vortrag eingeladen. Fünf Jahre hatte sie in Bolivien gearbeitet und konnte so in einem sehr von persönlichem Erlebnis geprägtem Referat die Probleme des Landes deutlich machen:

Bolivien ist Vielfalt. Auf einer Landfläche, die etwa drei mal so groß ist wie die Bundesrepublik leben etwa so viele Menschen wie in Bayern. Sie teilen sich auf in mehr als 30 Ethnien, deren kleinsten nur etwa 1000 Personen angehören. Und alle sprechen ihre eigene Sprache. Neben Spanisch sind mehr als dreißig indigene Sprachen offiziell anerkannt. Im Amazonasgebiet leben noch nomadisierende Volksgruppen von Jagd und Fischfang. In Großstädten wird mit neuester Technologie gearbeitet und in entlegenen Hochtälern verkauft man getrocknete Lamaföten als Glücksbringer. Feudale Großgrundbesitzer haben nicht nur Eigentum an riesigen Ländereinen, sondern auch an den darauf in Schuldknechtschaft arbeitenden Landlosen, die mit dem Grund verkauft werden können.

Vielfalt ist nicht nur Reichhaltigkeit sondern auch Konfliktpotential. Ethnische, soziale, wirtschaftliche und politische Interessen treffen in kaum vorstellbarer Schärfe aufeinander und hier beginnt die Arbeit der Friedensfachkräfte. Sie sind ausgebildet, Dialogfähigkeit zwischen den verfeindeten Interessenvertretern herzustellen.

Frau Treffer schilderte anschaulich, dass der Dialog oft als Trialog beginnt – die Friedensfachkraft tritt als Vermittlerin auf. Sie gibt die Wünsche der einen Seite an die andere Seite weiter, weil beide nicht direkt miteinander reden wollen, obwohl sie im Extremfall sogar im selben Raum sind.

Schnelle Erfolge sind bei dieser Arbeit nicht zu erwarten, doch Frau Treffer konnte anhand von einigen Beispielen erneut die Erfahrung bestätigen, dass Ziviler Friedensdienst wirksam ist, besonders auf der Ebene des gesellschaftlichen Zusammenlebens.

Autor: Friedrich Heidecker, Vorsitzender des Träger und Fördervereins Ehemalige Synagoge Obernbreit e. V., bearbeitet von Claudia Bischlager.

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