Merkels Freude

Kaum war Osama bin Laden am 2. Mai erschossen, da waren Sie auch schon gesprochen, die Worte der Kanzlerin, dass Sie sich über dessen Tod freue. Und aus den USA waren die Jubelschreie ja bis hierher zu  hören. Regierungssprecher Seibert blieben nur ein paar hilflose Worte, dass so eine Äußerung missverstanden werden könne etc.  Und auch von „kompetenten“ Fachleuten (z.B. dem Berliner Politologie-Professor Herfried Münkler) waren gelehrte Verrenkungen zu hören, um den klaren Rechtsbruch, den die Liquidierung darstellt,  schön zu reden. So als gäbe es zweierlei Menschen. Solche, auf die das Recht anzuwenden ist – und eben solche, die es nicht besser verdient haben (und über deren Tod man sich deswegen auch freuen darf) . Dabei ging es Merkel sicher nicht anders als vielen, die über bin Ladens Tod erfreut und erleichtert waren.

Ältere erinnern sich noch an die Bemerkung eines sich „Meskalero“ nennenden Autors, der seine „klammheimliche Freude“ über die Ermordung des Generalbundesanwalts Siegfried Buback 1977 durch die RAF gestand.  Solche Freude war damals nicht erlaubt. Die Wogen der Empörung schlugen hoch. Und natürlich erst recht die Angehörigen Bubacks waren  verletzt und empört.  Die pseudorevolutionäre Gewalt, die der Ermordung Bubacks noch folgte, ist bekannt. Was die Liquidierung bin Ladens an neuer Gewalt nach sich ziehen wird, befürchten nicht nur die Geheimdienste.

Gefühle wie z.B. Freude, Trauer, Ärger etc. lassen sich nicht gut kontrollieren: sie sind einfach da und – das ist so eine Eigenart von Gefühlen – nicht richtig und nicht falsch. Freude etwa über den Tod bin Ladens  kann aber  deutlich machen wie sehr wir (incl. Frau Merkel) in der Gewaltspirale stecken, Gewalt mit Rache und Gegengewalt beantworten. Und da kann dann der Verstand helfen, besonnen mit solch einem Gefühl umzugehen – wenn man es will!

Der Dalai Lama sagte nach den Anschlägen vom 11.9.2001, dies sei eine große Chance für den Frieden: nämlich nicht Gewalt mit Gegengewalt zu beantworten. Diese Chance ist lang vertan. Aber Aufgabe von Friedesbewegung ist es, notorisch, penetrant und stur  auf diesen fatalen circulus vitiosus hinzuweisen (und Vorschläge zu machen, wie er zu durchbrochen werden könnte) – auch wenn das Frau Merkel vielleicht garnicht freut.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort