Neu gestalteter Dokumentationsraum zur Zerstörung Würzburgs am 16. März 1945

Besuchergruppen werden regelmäßig hereingeführt, und auch Würzburger kennen ihn: den Gedenkraum im Grafeneckart zur Zerstörung Würzburgs durch britische Bomber am 16. März 1945. Im Juli wurde der Raum – völlig neu gestaltet  – wiedereröffnet. Stand bisher die Zerstörung der Stadt durch eindruckvolle Bilder und Listen mit den Namen der Totenganz ganz im  Vordergrund, versucht die Neugestaltung eine Einordnung des 16. März in den historischen Zusammenhang. Gerade auch manchem ausländischen Besucher war unangenehm aufgefallen, dass sich Würzburg in dieser Art der Darstellung nur als „Stadt der Opfer“ präsentierte. Die vom Kulturreferat in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv geänderte Konzeption verschiebt den Schwerpunkt der Ausstellung vom Gedenken zur Dokumentation und ist damit in der Darstellung wesentlich nüchterner. Jetzt wird auch auf Würzburg im Nationalsozialismius eingegangen, so dass die Zerstörung nicht mehr „wie aus heiterem Himmel“ daher kommt. Auch werden   die Eroberung durch die Amerikaner  , und die Jahre nach Kriegsende thematisiert. Die letzte Tafel  widmet sich der „Versöhnung mit den Kriegsgegnern“ (zumindest denen aus dem Westen) gerade durch Städtepartnerschaften. Besonders erwähnt als Beitrag zur Versöhnung und Friedenssicherung wird der 1995  – 50 Jahre nach der Zerstörung Würzburgs – von Würzburger BügerInnen gestiftete Würzburger Friedenspreis. Der seit 1995 jährlich verliehen Preis geht an Initiativen und Personen, die sich um friedliche Konfliktlösung und Völkerverständigung bemühen.

Diese Art der Darstellung des 16. März durch die Stadt Würzburg soll auch nur vorübeghend sein. Der im letzten jahr neu ins Leben gerufene Arbeitskreis Erinnerungskultur der Stadt soll längerfristig ein noch differenziertere Konzept (dann auch an einem anderen Ausstellungsort) erarbeiten.

Dabei wird es m.E. auch darum gehen, ob die Stadt sich deutlicher als mit den erwähnten (ja im Grunde eher spärlichen Aktivitäten)  für Versöhnung und Friedenssicherung engagiert. Denn Erinnern kann ein wohlfeiles Ritual werden , wenn es keine Konsequenzen für die Gegenwart hat.  Deswegen ist es schon verwunderlich, dass der Imperativ „Nie wieder Krieg! Nie wieder Gewaltherrschaft! Nie wieder Rassismus!“ der bisher im Gedenkraum einen nicht zu übershenden inhaltlichen Akzent setzte, zwar nicht verschwunden ist,  aber nur noch am Rande in einer Stellungnahme des Oberbügermeisters auftaucht.

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