Für eine Kultur des Friedens

Zum Tod von Horst-Eberhard Richter am 19.12.2011 

Prof. Dr. med. Dr. phil. Horst-Eberhard Richter (* 28.4.1923), der Mitbegründer der bundesdeutschen Sektion der IPPNW (Internationale Ärzte zur Verhütung des Atomkriegs), war als Psychiater, Psychoanalytiker, Sozialphilosoph und großer Humanist eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der Bundesrepublik. Er war ein unermüdlicher Mahner gegen Atomwaffen und Kriege, friedenspolitischer Vordenker für ganze Generationen von Engagierten und auch Initiator und Antreiber für viele Friedensaktionen.

Er verfasste die berühmte „Frankfurter Erklärung“, in der sich Ärzte mit ihrer Unterschrift dazu bekannten, sich jeglicher kriegsmedizinischen Schulung und Fortbildung zu verweigern. Er hat mit den Mächtigen gesprochen, aber sich nicht angepasst, auch wenn ihm der Wind der öffentlichen Meinung zuweilen kräftig entgegenblies. So etwa 1985, als der IPPNW der Friedensnobelpreis zugesprochen wurde und der damalige Bundeskanzler Kohl auf dem Höhepunkt der Nachrüstungsdebatte dem deutschen Botschafter die Teilnahme an der Verleihung untersagte, nachdem seine politische Intervention zur Rücknahme des Preises erfolglos geblieben war.

Den Begriff „Ärzte in sozialer Verantwortung“, der seit dem Zusammenschluss der beiden deutschen IPPNW-Sektionen im März 1991 als Namenserweiterung beschlossen wurde, füllte Richter mit Leben: Er initiierte die Kongressreihe „Medizin und Gewissen“, die 1996 in Nürnberg und 2001 in Erlangen große Medienaufmerksamkeit erlangte. Bis ins hohe Alter hielt er Vorträge und trat stetig für eine „Kultur des Friedens“ ein, zu der die IPPNW mit vielen Aktivitäten und einem dreitägigen Kongress 2008 beitrug.

Wir trauern um einen Menschen, der uns durch sein Vorbild und mit seinen Schriften ein vielfältiges Erbe hinterlassen hat.

Quelle: IPPNW 21.12.2011, www.ippnw.de

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