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Bericht vom ÖKOPAX-Neujahrsempfang

ÖKOPAX-Neujahrsempfang im Rudolph-Alexander-Schröder-Haus am 18.001.2026.

ÖKOPAX-Neujahrsempfang im Rudolph-Alexander-Schröder-Haus am 18.001.2026.

Nicht nur Parteien und Kommunen pflegen den Brauch der Neujahrsempfänge. Für die lokale Friedensbewegung und ihre Sympathisanten ist der Neujahrsempfang von ÖKOPAX e.V. schon seit viele Jahren ein fixer Termin. Am 18.1. waren ca. 50 Personen der ÖKOPAX-Einladung zu Sekt und Häppchen ins Rudolf-Alexander-Schröder Haus in Würzburg gefolgt. Wie immer ging es um Kontakt, Austausch, einen Blick auf die ÖKOPAX-Arbeit des letzten Jahres (s. dazu auch diverse Beiträge auf unserer homepage) und Impulse zur aktuellen friedenspolitischen und gesellschaftlichen Situation.

Katharina Schmelter benannte in ihrer Funktion als Vorsitzende die Notwendigkeit, gerade in einer sich geopolitisch und gesellschaftlich rasant verändernden Welt und im Blick auf die uns umgebenden Kriegsgräuel, weiter auf der Einhaltung von Menschenrechten und Klimazielen zu beharren. Angesichts militaristischer Diskursverengung müsse Friedensfähigkeit statt propagierter Kriegstüchtigkeit entwickelt werden. Hierzu seien für ÖKOPAX offener persönlicher Austausch, kritische Auseinandersetzung mit Mainstream-Debatten und Vernetzung mit anderen Akteuren der Friedensszene nötig. So ist ÖKOPAX e.V. etwa Unterstützergruppe der Initiative „Sicherheit neu denken“ und Mitglied im Bündnis „friedensfähig statt erstschlagfähig“, das sich gegen die 2026 geplante Stationierung von US-Mittelstrecken in Deutschland richtet. Hier in Würzburg ist ÖKOPAX e.V. Mitglied im „Bündnis für Zivilcourage“.

Vor diesem Hintergrund gab es mehrere inhaltliche Beiträge von ÖKOPAX-Mitgliedern:

Karin Böhler-Löhr verwies in ihrem Vortrag auf Analysen von Fabian Scheidler (vgl. sein Buch: Friedenstüchtig: Wie wir aufhören können, unsere Feinde selbst zu schaffen. Promedia. Wien 2025).  Danach brauchen Kriege Feindbilder. Den Feind zu dämonisieren führe zum Ausblenden der Vorgeschichte von Konflikten. Der Feind erscheine dann als das absolut Böse und werde auch aktiv dazu gemacht. Das ermögliche den eigenen Anteil an der Entstehung von Konflikten auszublenden. So werde etwa der Hinweis auf einen Anteil der NATO-Staaten an der Entstehung des Ukraine-Krieges mit dem Vorwurf abgetan, man sei „Putin-Versteher“. Lediglich Aufrüstung könne ausreichende Sicherheit vor dem dämonisierten Feind schaffen. Dieses Muster lässt sich bei vielen Konflikten nachweisen. Im Interesse von Friedenslösungen sei es jedoch geradezu notwendig den eigenen Anteil an einem Konflikt zu bearbeiten.

Um Kriegs- und Eskalationslogik zu vermeiden sei es, so Scheidler, nötig verantwortungsethisch zu handeln. Gerade der Westen rechtfertige aber auch kriegerische Aktionen oft gesinnungsethisch und nehme eine moralisch überlegene Position für sich in Anspruch. Es sei jedoch viel mehr nötig sich an realistischen Möglichkeiten zu orientieren: Wie können möglichst viele  Menschenleben gerettet werden? Was sind die Sicherheitsinteressen aller Konfliktparteien?  Wie kann ein Konzept gemeinsamer Sicherheit entstehen? Die westdeutsche Entspannungspolitik der 1970er Jahre , die heute retrospektiv als naiv denunziert werde, könne jedoch Orientierung geben, wie langsam Vertrauen entstehen und schließlich ein System kollektiver Sicherheit (etwa wie die OSZE) entwickelt werden könne. 

In den folgenden kurzen Statements

  • kritisierte Dr. Armin Meisterernst die derzeit zunehmenden Angriffe auf die Zivilgesellschaft und die finanzielle Austrocknung von Demokratie-Förderprogrammen. Eine resiliente Zivilgesellschaft sei unerlässlich um dem zunehmenden Rechtsradikalismus begegnen zu können. Er verwies auf ähnliche Entwicklungen am Ende der Weimarer Republik, die zum Erstarken des Nationalsozialismus beigetragen hätten.
  • Uta Deitert nahm Bezug auf den Begriff „Sondervermögen“, der kürzlich zum Unwort Jahres 2025 gekürt wurde. Lt. Jury diene dieser Begriff dazu zu verschleiern, dass damit SonderSCHULDEN gemeint seien. Sie kritisierte in diesem Zusammenhang: „Unabhängig davon, wie groß die Bedrohung unserer Sicherheit durch Russland ist, die uns jeden Tag in alarmistischem Ton eingetrichtert wird, gilt: Die Notwendigkeit von 5% Militärausgaben ist aus der Luft gegriffen, es liegt ihr keine fundierte Analyse zugrunde. Die Politik geht nur von „Worst-Case-Szenarien“ aus, ohne Analyse, worauf genau mit welchen Mitteln zu reagieren ist.“ 

Der Aufrüstungsspirale müsse mit Systemen kollektiver Sicherheit und glaubwürdigen Initiativen zur Rüstungskontrolle begegnet werden.

  • Auf Erfahrungen mit sozialer Verteidigung verwies Renate Vieth-Laßmann. An historischen Beispielen (etwa Ruhrkampf) lasse sich zeigen, wie wirksam diese sein könne. Inzwischen seien Effekte zivilen Widerstands in nationalen und internationalen Konflikten zunehmend untersucht. Zivile Widerstandsformen hätten oft überraschend positive und vor allem nachhaltigere Effekte als gewaltorientierte Aktionsformen.

Die anschließende Diskussion zur Notwendigkeit von Vernetzung und zivilem Widerstand angesichts des erstarkenden Rechtsradikalismus und Wegen aus der Rüstungseskalation ging dann in einen informellen Austausch über.

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